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erstellt am: 6 Mrz, 2020

„Fadenkreuze gehören nicht zum Fußball !“

Am 3.März stand SJF-Pressesprecher Jochen Golle (Mitte) den „gefürchteten“ FanOmania-Moderatoren Albrecht Leonhardi und Thomas Paul (r.) zum heiklen Thema „Gewalt und Hass in den Fußballstadien“ Rede und Antwort. Foto: Moni Pfaff

SJF-Pressesprecher Jochen Golle als Gast bei Radio FanOmania

Die öffentlichen Beleidigungen gegen den bekannten Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, und das unrühmliche „Fadenkreuz-Motiv“ in Deutschen Fußballstadien haben das Fass am vergangenen Wochenende entgültig zum überlaufen gebracht. Aber auch zuvor hatte es bereits Schlägerien, rassistische Ausfälle in Stadien, Hetze gegen Spieler, Politiker und Investoren gegeben. Die Deutsche Fußball-Bundesliga kämpft mit Diskriminierung und Hass unter ihrem Dach. Es drohen Spielabbrüche und offener Disput zwischen DFB, DFL und den Fankurven.

Auch diverse Medien spielen mit teilwiese differenter Bewertungen der Vorkommnisse dabei eine undurchsichtige Rolle

„Radio FanOmania“ ein Produkt des SJF-Fanprojekts

Bereits vor ca. einem Monat hatten das Moderatoren-Team von Radio FanOmania und SJF-Pressesprecher Jochen Golle den Sendungstgermin am 3. März vereinbart, um über die Problematik der Fankurvenproteste offen zu diskutieren. Dass dieses gewählte Thema am Wochenende vor diesem Sendetermin nochmals an Brisanz gewann, machte diese Sendung (Aufzeichung als Stream unter http://www.radiox.de/sendungen/fanomania) noch aktueller.

Nachdem Jochen Golle zu Beginn der Sendung Gelegenheit gegeben wurde sich selbst in seiner Funktion als Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Sportjugend Frankfurt, sowie die vielfältigen Aktivitäten und Projekte der Sportjugend Frankfurt vorzustellen, konstatierte Moderator Thomas Paul, dass der unabhängige Radiosender „FanOmania“ (mehr darüber am Ende des Textes) ursprünglich als „Piratensender“ aktiv war, der sich dank kreativer Ideen aus dem „SJF-Fanprojekt“ zum beliebten existierenden Sender „von Fans – für Fans“ (zu hören unter: 91,8 DAB+ oder Stream www.radiox.de) entwickelt hat und nun bereits 27 Jahre auf Sendung ist; also etwa genau so lange, wie die Sportjguend Frankfurt existiert.

Eine Stunde lang wurden die Rollen von Fans, Vereinen, Politik und Medien kritisch hinterfragt. Foto: Moni Pfaff

„Sport gegen Gewalt“ gilt  auch für das SJF-Fanprojekt!

Danach kamen die beiden Moderatoren, Thomas Paul und Albrecht Leonhardi, sofort auf den Punkt. „Gewalt, Beleidigungen, Fadenkreuze und Rassismus haben in den Fußballstadien nichts zu suchen“, wurde klargestellt. Jochen Golle ergänzte, dass auch das SJF-Fanprojekt den klaren Auftrag hat das SJF-Leitbild „Sport gegen Gewalt“ umzusetzen und entsprechend aktiv zu werden. Schon seit Monaten und lange vor den letzten Fan-Boykotts (in Frankfurt gegen Union Berlin) und der „Hopp-Eskalation“ habe er sein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass in den Fankurven Beleidigungen gegenüber verletzt am Boden liegenden (Gegen-) Spielern („Steh auf Du Sau!“), homophobe Sprechchöre gegen Gästeteams (z.B. „Schwuler BVB“) oder das „Überschreien“ des Nachnamens gegenerischer Profis mit Ar….loch“ zum normalen, auch von Fanprojekt-Mitgliedern und Fanbetreuern tolerierten Wortschatz gehöre. „Mir wurde mitgeteilt, dass man so etwas nicht ändern könne, weil es einfach zum Fußball dazugehöre und schon immer so sei“, berichtete Golle. Hier müsse dringend angesetzt werden, wenn sich diese Fangruppe nicht angreifbar machen wolle, speziell von vielen Medien, die über dieses Thema aktuell – so Paul – „sehr scheinheilig“ berichten.

„Scheinheiligkeit und Doppelmoral vieler Medien“

Am Beispiel für diese „Doppelmoral“ und „Scheinheiligkeit“ vieler Medien und großen Teilen der Gesellschaft nannte Thomas Paul die nun erfolgte massive öffentliche Reaktion auf die Anfeindungen gegen  Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Es herrsche Klarheit, dass derartige Fadenkreuzsymbole und Bedrohungen inakzeptrabel seien und „garnicht gehen“. „Es hat zuvor aber schon mehrfach klaren Rassismus und Schwulenhass in Deutschen Fußballstadien gegeben, wonach Medien, DFB und DFL nicht annähernd so hart reagiert haben, wie im Fall des Prominenten Hopp“, kritisierte Paul mit deutlichen Worten.

Thomas Paul: „Die unterschiedliche Medienbewertung gleicher Situationen ist scheinheilig“. Foto: Moni Pfaff

Kommerzstreben trotz Gefahr von Spielsucht

Als weiteres Beispiel für die „Scheinheiligkeit“ im Profifußball diskutierten das Trio über das Thema „Sportwetten“, welches speziell den TV-Anstalten und Proficlubs Millionen in die Kassen spült. Erst wurde der Bundesligaspieltag wie ein Salami aufgeschnitten um dank mehr Anstoßzeiten mehr Werbe-Gelder einzutreiben und nun tolerieren TV-Medien, DFL und DFB, dass Wettanbieter mit abstrusen Werbekampagnen überwiegend jungen Fußballfans das Geld aus der Tasche ziehen. Als Negativ-Beispiel bezeichnete Jochen Golle die TV-Präsenz von Ex-Nationaspieler Oliver Kahn, der sowohl als „Experte“ des Öffentlich Rechtlichen Senders ZDF, als auch als Werbe-Ikone eines Sportwettenanbieters auftreten können. „Jene Medien, die (manchmal zurecht) mit dem Finger auf die Fankurven zeigen, spielen dieses Wett-Spiel kritiklos mit“, klagte Golle an.

Pyro-Diskussion als Schlüssel zum Dialog?  

Wie also weiter vorgehen? Dialog sei unbedingt nötig und richtig waren sich die Diskutanten einig. Jochen Golle schlug vor, dass z.B. eine Neuauflage der Diskussion über Pyro-Technik in Stadien ein Schlüssel zu einem ehrlichen Dialog sein könnten. Provokant schlug er vor, dass Ultras z.B. eine auf gesicherten Flächen vorbereitetes „Pyro-Show“ gegen Rassisimus präsentieren. Die von Albrecht Leonhardi vorgebrachten, existierenden Haftungs-Probleme, wurden an Beispielen wie der Pyro-starken Einlaufszeremonie der Skyliners-Basketballer oder der stets marzialischen Pyro-Show der Rock-Band Tote Hosen im Düsseldorfer Fußballstadion ohnehin oft ad absurdum geführt. Nur dort wird es toleriert und von vielen Medien als „stimmungsvoll bewertet. Vor nicht allzu langer Zeit lobten auch TV-Reporter Pyro-Technik in südländischen Stadien bei Europapokalspielen überschwänglich („Hier ist richtig was los – hier ist Feuer unter dem Dach“), während die gleichen Sender heute  die Szenerie als „Werk von Schwachköpfen und Idioten“ bezeichnen.

Thomas Paul begrüßte den Vorschlag einer neuen Pyro-Diskussion, befürchtet jedoch, dass der harte Ultra-Kern – „so wie schon einmal“ – keinerlei Fremdkontrolle bei diesem Thema zulassen will. Ein Versuch sei es aber auf jeden Fall Wert.

Klar sei aber auch, dass Pyro kontrolliert abgebrannt werden, auf sichtbehindernde und geruchststarke Rauchschwaden verzichtet werden muss. „Die Ultras sollen diesbezüglich endlich wie Erwachsene und nicht wie kleine Kinder reagieren, denen man Spielzeug wegnimmt“, stellte Albrecht Leonhardi klar.

Albrecht Leonhardi: „Ultras sollten beim Thema Pyro nicht wie kleine Kinder reagieren. Foto: Moni Pfaff

Vereine dürfen sich Ultras nicht unterwerfen

Kurz angerissen wurde auch der letzte Protest von Eintracht Ultras gegen Montagsspiele, als die Nordwestkurve beim Heimspiel gegen Union Berlin komplett frei blieb, die Stadion-Orga den Nicht-Ultras fast den kompletten Support vorenthielt und auch der Stadion-Sprecher keinen Anlass sah die Fans bei der Verlesung der Mannschaftsaufstellung Gelegenheit zum verbalen Support der eigenen Mannschaft zu geben (die Aufstellung wurde emotionslos runtergelesen).

„Hier hat sich der Verein Eintracht Frankfurt einer Fan-Minderheit zu Lasten der großen Kulisse fälschlicherweise unterworfen, was ich für falsch halte“, erklärte Golle und schilderte den selbst vor Orte erlebten Unmut vieler Fans, weil u.a. der Polizeichor („Im Herzen von Europa“) nicht abgespielt wurde, den anssonsten alle Fans mit hoch präsentierten Eintracht-Schals zur Kult-Choreographie nutzen. In den sozialen Medien hatte diese Anti-Fan-Organisation ebenfalls für Unmut gesorgt. „So was geht garnicht, das ist kontraproduktiv. Wir haben gleich einen Tag später aus Protest hier bei uns die Hymne für Europa“ in voller Länge abgespielt“, kritisierte auch Paul diese mißlungene Protestaktion, die sich zudem gegen einen Spieltermin richtete, dessen Abschaffung zur kommenden Saison längst beschlossen ist. Das dazu dieses Heimspiel gegen Union verloren ging, unterstreicht die Kontroproduktivität dieser Ultra-Aktion.

Zum Abschluss stellten Paul und Golle aber auch klar, dass die Frankfurter Fankurve mit ihren Choreographien und ihrem Support trotzdem außergewöhnlich und phantasievoll sei. „In Frankfurt hat die Fankurve schon oft bewiesen, dass es den 12.Mann gibt, der auch noch Tore schießt!“

Kommende Woche gastiert Uwe Bein bei FanOmania

In der kommenden Woche (Dienstag, 10.3., 19 Uhr) gastiert Weltmeister Uwe Bein bei FanOmania. Der Sender bietet allen Fans von Eintracht Frankfurt jeden Dienstag das neuste rund um ihren Lieblingsverein. Spieler, Verantwortliche und Fans kommen hier zu Wort. Besonderen Wert legt die Radio-Crew auf ihre Unabhängigkeit, die es ermöglicht dort Kritik anzubringen, wo sie auch hingehört. Das Moderatoren-Team ist oftmals wegen seiner sehr direkten Fragen gefürchtet und möchte verbale Emotionen ausleben. Seit 1997 ist Radio FanOmania mit bislang über 1.000 Sendungen ein fester Bestandteil in der hessischen Medienlandschaft.

Die Sportjugend Frankfurt bedankt sich für die Einladung und wünscht diesem „ehrlichen und unabhängigen“ Radio-Sender weiterhin viele erfolgreiche und unterhaltsame Auftritte.

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